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Urlaub im Schwarzwald und Elsass

Reise-Blog: Schwarzwald-Elsass

"Ich wünscht' ich wär ne Kuh"

10.07.2016

Unterwegs auf dem Mittelweg von Pforzheim nach Waldshut kommen wir, meine Frau und ich, durch das wunderschöne Fachwerk-Städtchen Schiltach mit seinem ungewöhnlich steilen und dafür umso schöneren Marktplatz. Ja, „steil“ ist das Wort des Tages, erst steil hinab nach Schiltach, dann wieder steil hinauf auf die Höhe in den Schöngrund gegenüber. Warum nur kommt mir der Gedanke nach dem Sinn dieser Unternehmung in den Sinn?

Oben dann einige Antworten: Weil der Blick einfach klasse ist, weil es hier ruhig und friedlich ist und es so beruhigt, den Kühen zuzuschauen - bis der Bauer angetuckert kommt auf einem seltsamen Gefährt mit lautem Motor. Gerne lässt er sich in ein Gespräch verwickeln, wahrscheinlich hat ihn der Umgang mit „seinen Viechern“ (Zitat) selbst schon ruhig gestellt. Und wieder mal erleben wir in einer anscheinend weltabgeschiedenen Gegend einen erstaunlichen und beeindruckenden Menschen: Er liebt seine Tiere ganz offensichtlich, zieht Laugenstangen aus seinen Hosentaschen, schiebt sie der nächsten Kuh ins Maul - und erzählt dabei von seinen Viechern. Vorderwälder sein das, eher klein von Wuchs, dafür gute Milchkühe. Ja, ja, andere Bauern bevorzugen andere Rinderarten mit mehr Fleisch, der Metzger verlange für ein Vorderwälder Rind das gleiche Geld wie für ein Tier mit 200 kg mehr. Ihm ist aber nicht das Geld das Wichtigste, die Vorderwälder sind schließlich die ursprüngliche Schwarzwälder Rasse, durch ihr niedriges Gewicht zertrampeln sie den Boden nicht so sehr wie andere.

Und dass im Fernsehen in Sendungen über Bauern einfach irgendwelche Kühe gezeigt werden, das stört ihn gewaltig. Jede Kuh kennt er mit Namen, liebevoll spricht er mit ihnen so wie man mit Kindern spricht, er krault sie über dem Maul und wuschelt an den Ohren. Auf meine Frage, ob ich die Kuh auch berühren darf, antwortet er mit einem kleinen Lachen: „Ja, klar, aber das ist der Bulle, mach nur, das ist „ein ganz lieber Kerl“.

Wir kraulen, wir schwatzen und lachen bis die Fliegen und Stech-Viecher uns und unsere schweiß-bedeckte Haut entdecken. Schmeckt der unsrige besser als der der Kühe (und des Bullen)? Wir jedenfalls erreichen mit unseren Händen jedes Körperteil, die Kühe schlagen mit dem Kopf oder mit dem Schwanz - und genau dazwischen, da wo sie nicht hinkommen, dahin stechen die Blutsauger. Gar nicht blöd, diese Strategie.

Noch stundenlang könnten wir da stehen, Kuh-Geschichten hören, erfahren, wie verwurzelt die Menschen hier sind, sie ein bisschen beneiden, hören was die Bauern so umtreibt, was sie für uns, die Gesellschaft und die Landschaft leisten. Das nächste Mal beim Discounter werde ich die Milch stehen lassen und stattdessen in einem anderen Laden regional kaufen. Lieber Frieder vom Schöngrund in Schiltach-Lehengericht, das verspreche ich Dir!

Euer Infobaum-Blogger
Jakob